Das 10. Hirschfeld-Tiburtius-Symposium "Herausforderungen meistern - in Praxis & Labor"


Am 08. und 09.06.2018 lud der Dentista e. V. zur Jubiläumsveranstaltung – dem inzwischen 10. Hirschfeld-Tiburtius-Sympo- sium (HTS) – nach Leipzig ein. Die Themen des zweitägigen Symposiums waren überschrieben mit dem Begriff „Herausforderungen meistern“: Dies galt für den fachlichen Teil am Freitag (Herausforderung: Prothetik) wie auch für die unternehmerischen Themen des Samstags, die den Alltag in Praxis und Labor gleichermaßen betreffen.

Der Mix aus Fach- und Führungsthemen war dabei kein Zufall. „Wir haben einfach nachgefragt: Verschiedene Teile des letzt- jährig modifizierten Tagungskonzeptes wurden beibehalten und mit Wünschen der Vorjahresteilnehmerinnen weiterentwickelt“, so Präsidentin Dr. Susanne Fath. Der beliebte Workshop-Charakter der Veranstaltung, der schon 2017 auf großen Zuspruch gestoßen war, blieb ebenfalls erhalten. Neu hingegen war das Angebot von Parallel-Workshops zweier Unternehmen. „Wir wollten den Dentista Paten die Möglichkeit geben, sich ebenfalls in die Veranstaltung einzubringen. Auch diese Idee ging auf, die Teilnehmerinnen nahmen das Angebot sehr gern an.“, so PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, die sich für das Tagungsprogramm verantwortlich zeichnete.

Fachthemen zum Auftakt

Den Auftakt des Symposiums gab OÄ Dr. Silvia Brandt, (Frankfurt a. M.), mit dem Thema „Die prothetische Versorgung des teilbezahnten Kiefers OHNE Implantate“. Der Vergleich der Mundgesundheitsstudien 2005 und 2016 hätte gezeigt, dass immer weniger jüngere Senioren zahnlos seien – die Anzahl habe sich halbiert. „Das heißt aber auch, dass Teilprothesen eine immer größere Bedeutung zukommt“, so Dr. Brandt. Hier seien individuelle Therapiekonzepte gefragt, bei deren Planung die Wünsche des Patienten eine ebensolche Rolle spielten wie die biologischen Aspekte. Die konventionelle Prothetik biete „eigentlich alle Möglichkeiten“: z. B. Adhäsivbrücken böten eine gute Versorgung bei hoher Patientenzufriedenheit. Hier sei der Vorzug eindeutig der einflügeligen Variante zu geben, da diese ein erheblich geringeres Kariesrisiko berge, weil unbemerktes Ablösen hier nicht möglich ist. Auch die Modellgussprothese sei im teilbezahnten Kiefer „immer noch sinnvoll“, erfordere jedoch eine gute Compliance: „Wenn Sie den Patienten im Recall haben, überleben die Prothesen signifikant länger.“ Bei Implantatprothesen hingegen hänge der Erfolg entscheidend von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Ankerzähne ab. So spreche laut Dr. Brandt vieles für eine kombinierte Prothese. Ausführlich ging sie deshalb auf die Konus-Galvano-Prothese ein, welche die Vorteile des festsitzenden mit denen des herausnehmbaren Zahnersatzes verbinde. Mit dem „Frankfurter Prinzip“ stellte sie ein Behandlungsprotokoll für eine zahn- und/oder implantatgetragene Prothese vor: Material, Herstellungsprozess und Behandlungsprotokoll für die Konus-Galvano-Prothese seien modifiziert worden – mit Erfolg. Selbst bei rein zahngetragenen OK-Prothesen mit meist sechs Pfeilern betrage die Erfolgsrate nach einer eigenen Studie 92,8 %, im (meist implantatgetragenen) UK sogar 96,7 %. Auch bei der Patientenzufriedenheit sei kein Unterschied zu implantatgetragenen, festsitzenden Prothesen festzustellen. Das Frankfurter Prinzip habe sich klinisch bewährt und verspreche eine hohe Erfolgsrate.

Unternehmerische Herausforderungen

Den zweiten Tag des HTS eröffnete Ute Regina Voß (Frau & Vermögen, Kiel) mit ihrem Vortrag „Dagoberta macht Kasse – oder auch: Geld steht jeder Frau“. Informativ und humorvoll gab die Referentin einen tollen Überblick zum Thema Finanzen mit Tipps zur Lebensführung, zu Verträgen, Anlagen, Versicherungen und ganz allgemein zum Thema Frauen und Geld. Ein sehr kurzweiliger Vortrag, der den begeisterten Teilnehmerinnen viele wertvolle Inspirationen für den privaten und beruflichen Alltag gab, wie z. B. das Anlegen eines Notfallordners. „Geld ist wie Mist: Man muss es streuen und verteilen, um ernten zu können.“, so das Fazit der Referentin.

Im Anschluss boten Parallel-Workshops die Möglichkeit, das Symposium noch individueller zu gestalten: Das große Thema des HTS – „Herausforderungen meistern – in Praxis & Labor“ spiegelte sich auch im Themenangebot der Workshops wieder: „Befestigung – Durchblick durch den Materialdschungel“ mit Dr. Monika Reichenbach (Ivoclar Vivadent) und „Praxismarketing & Patientengewinnung“ durch Dr. Andreas Laatz (LS smart, Hamburg) im Auftrag von E-WISE. Der Dentista e. V. bedankt sich herzlich bei den Sponsoren für die bereichernden Vorträge, durch die das HTS an Individualität gewonnen hat.

Nach einer stärkenden Mittagspause berichtete Dentista Rechtsbeirätin RAin Jennifer Jessie (Kanzlei Lyck+Pätzold, healthcare.recht, Bad Homburg) über das seit dem 01.01.2018 in Kraft getretene Mutterschutzgesetz und die Konsequenzen für selbständige und angestellte Zahnärztinnen. Dabei ging sie sowohl auf die Situation einer angestellten Schwangeren als auch auf die gesetzlichen Verpflichtungen und Möglichkeiten für Praxisinhaber bzw. Arbeitgeber ein. Im Anschluss ergab sich eine rege Diskussion zum Thema Beschäftigung während der Stillzeit vs. Elternzeit.

Last but not least gab PD Dr. Christoph Ramseier (Bern) den Teilnehmerinnen mit seinem Vortrag „Empathie statt Expertise: Verhaltensänderung durch motivierende Gesprächsführung“ wertvolle Hilfestellungen im Bereich Patientenberatung. Anschaulich erklärte er, wie Patienteneinstellungen verändert werden können. Am Beispiel der Anwendung von Interdentalbürsten zeigte er auf, wie ein Patient dazu ermutigt werden könne, diese auszuprobieren und regelmäßig zu benutzen. Das Beratungskonzept kam an: Zahlreiche Teilnehmerinnen gaben an, es auf jeden Fall ausprobieren zu wollen, und zwar nicht nur bei der Behandlung, sondern am liebsten auch im Alltag.

Im Anschluss lud Dentista anlässlich des zehnjährigen Jubiläums zu einem kleinen Grillfest unter dem Motto „Frauen machen Feuer“ ein. Hier ließen die Teilnehmerinnen das HTS bei strahlendem Sonnenschein und mit kühlen Drinks auf der Terrasse des schönen Tagungshotels ausklingen — und stießen gemeinsam auf die nächsten zehn Jahre erfolgreicher Dentista Symposien an.