IMPLANTOLOGIE-STARTER-TAG: Hands-on-Kurs beim Dental Summer


Bereits zum vierten Mal in Folge fand beim diesjährigen Dental Summer, der situationsbedingt auf September verlegt wurde, am Timmendorfer Strand das beliebte Tages-Seminar für Implantologie-Einsteiger statt. Das Programmpaket der Veranstalter DGÄZ und Dentista beinhaltete viele wichtige Tipps von erfahrenen Experten zum Start in die Implantologie und schloss mit einem umfangreichen Hands-on-Part, in dem sich die Teilnehmerinnen – es nahmen diesmal ausschließlich Zahnärztinnen am Kurs teil – in praktischen Übungen unter Anleitung und mit Hilfestellungen ausprobieren konnten. Als neuer Kooperationspartner wurde der ICOI (International Congress of Oral Implantology) Europe begrüßt, der vor 48 Jahren gegründet wurde und damit nicht nur die älteste implantologische Gesellschaft weltweit ist, sondern mit über 15.000 Mitgliedern auch die mit Abstand größte. 

Den Einstieg in die Veranstaltung gab PD Dr. Jonas Lorenz (Frankfurt/Main) mit seinem Vortrag „My First Implant“, in dem er die technischen und biologischen Grundlagen der Implantologie übersichtlich für den Beginner präsentierte. Der Spannungsbogen reichte dabei von dem Aufbau moderner Implantatsysteme bis hin zu den Prinzipien der Osseointegration und Belastung. Im Zentrum stand die Darstellung der Erfordernisse und Notwendigkeiten, um das erste Implantat in eigener Praxis setzen zu können. Dabei ging er neben der notwendigen Ausstattung auch auf die Implantatkomponenten und die prä-implantologische Diagnostik und Fallplanung ein. Anhand von dokumentierten Fallvorstellungen wurde darauf aufbauend das praktische Vorgehen beim Setzen erster Implantate erläutert, wobei auf die jeweils zu beachtenden Besonderheiten hingewiesen wurde. 

DGÄZ-Präsident Prof. Dr. Robert Sader (Frankfurt/Main) erläuterte in seinem anschließenden Vortrag, dass ein erfolgreiches Beherrschen chirurgischer Techniken zur knöchernen Augmentation zur handwerklichen Grundausstattung eines jedes implantologisch-tätigen Zahnarztes gehört. In einem breitgefächerten Referat vermittelte er viele Basiskenntnisse rund um die Augmentation und stellte übersichtlich die Ziele, Limitationen und Indikationen der lokalen augmentativen Verfahren wie Guided Bone Regeneration, Bone Splitting, Blocktransplantate und Sinuslift dar. Basierend auf einem kombiniert mechanisch-biologischem Ansatz wurden zudem auch die Erfolgsprinzipien der knöchernen Regeneration beschrieben und der Einsatz von unterschiedlichsten Biomaterialien mit ihren Vor- und Nachteilen aufgezeigt. Am Ende konnten so „Kochrezepte“ abgeleitet werden, die den noch nicht so erfahrenen Implantologinnen beim Erlernen der operativen Augmentation helfen sollen. 

Zum Abschluss der vormittäglichen Vortragsreihe stellte Dag Friedrichs (Baden-Baden) in seinem Vortrag zum Thema „Kieferkammerhaltende Maßnahmen nach Zahnextraktion“ die biologisch-dynamischen Resorptionsvorgänge dar, die mit einer Zahnextraktion einhergehen können. Dabei führte er aus, wie es nach der Abnahme an hartgewebiger Substanz in der Extraktionsalveole zum Knochenverlust kommt und welche Schwierigkeiten sich hierdurch in der anschließenden Versorgung des Patienten ergeben können, wenn ein adäquates Knochenangebot für eine spätere Implantation fehlt oder sich die Weichgewebsverhältnisse über dem atrophierten Knochen ebenfalls verringert haben, wodurch eine angemessene Brückenversorgung verhindert wird. Entsprechend dieser Problematik empfiehlt es sich, die Extraktionsalveole zu augmentieren, sprich eine Socket- oder Ridge-Preservation durchzuführen, um damit den Hart- und Weichgewebsverlust im Vorfeld so weit wie möglich zu kompensieren. 

Im Mittelpunkt des Kurstages stand der in mehrere Teile untergliederte Hands-on-Part — unterstützt von Bien-Air, Camlog, Geistlich und Ustomed bei dem die Teilnehmerinnen die Möglichkeit hatten, das zuvor Gelernte auszuprobieren. Beim Implantieren am Kiefermodell konnten sie ein Gefühl für Ausmaße und Kraftkontrolle, aber auch Richtung der Implantatinsertion entwickeln. Dabei erfuhren sie, was ein Vorbohrer ist, welche Instrumente welche Aufgabe leisten, welche Implantate es gibt und wie man eine Implantatversorgung konstruiert von Abformung bis Abutment. Bei den Übungen zur offenen und geschlossenen Abdrucknahme standen die modernen Verfahren des kontaktlosen 3D-Scannings im Vordergrund und bei den anschließenden Augmentationsübungen an teilbezahnten Kiefermodellen ging es vor allem um die am Vormittag theoretisch dargestellten Verfahren der Socket- und Ridgepreservation. Den Abschluss des Tages bildeten Nahtübungen an Schweineohren, bei denen die Teilnehmerinnen ausführlich viele verschiedene Nahttechniken erlernen bzw. üben konnten. 

Abschließend stellten sich die Referenten in einer Podiumsrunde den Fragen der jungen Kolleginnen und berichteten über ihren eigenen Weg in die Implantologie. Auch im kommenden Jahr wird das erfolgreiche Seminar wieder im Rahmen des Dental Summers am 19. Juni 2021 angeboten, dann wieder gemeinsam veranstaltet von DGÄZ, DGI, ICOI Europe, Dentista und BdZA. Anmeldungen sind ab sofort über die Website der IFG www.dentalsummer.de möglich (Kursnummer 5084).