AUSWERTUNG: Umfrage zur "Plastikarmen Praxis"


Bildquelle: Fotolia/Yuri Arcurs

Es glich einem Paukenschlag: Ende 2018 beschlossen die EU-Abgeordneten, dass Einwegplastik ab 2021 weitestgehend aus dem Leben der Europäer verbannt werden soll. Doch was bedeutet das Aus für Wattestäbchen, Plastikbecher und Trinkhalme konkret für die Zahnarztpraxis? Und wie gut sind die Niederlassungen Stand heute – ein Jahr nach Bekanntwerden und ein Jahr vor Inkrafttreten des Verbots – auf eine plastikfreie Welt vorbereitet? Wir haben uns in den Praxen umgehört.

Wahrscheinlich hatten die Parlamentarier eher Alltägliches wie Einweggeschirr, Verpackungen und eben die viel genannten Trinkhalme im Sinn, als sie sich für ein Verbot von Einwegplastik aussprachen. Doch trifft ein solches Verbot auch und vor allem die Zahn-/Arztpraxen in Europa. Wie gehen wir damit um, was muss, was soll sich in der Zahnarztpraxis der nahen Zukunft tun? „Wir vom Verband der ZahnÄrztinnen-Dentista (VdZÄ) sehen es auch als unsere Aufgabe an, unsere Mitglieder in solchen Fragen des Praxisalltags zu unterstützen“, sagt Verbandspräsidentin Dr. Anke Klas und ergänzt: „Wir haben es uns auf die Agenda geschrieben, in den kommenden Monaten Konzepte zu erarbeiten, wie eine ,plastikarme‘, umweltfreundliche Praxis aussehen und funktionieren kann.“ Hierzu wollte der VdZÄ zunächst wissen, wie die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen bereits heute mit dem Thema umgehen, bzw. ob und wie sie derzeit Plastikmüll vermeiden. Daher startete der VdZÄ eine Umfrage.

Befragte zeigen sich interessiert

Beginnen wir mit dem Erfreulichen: Von immerhin knapp 100 Rückmeldungen aus den Praxen begrüßte gut ein Viertel (26,7 %) ein solches Projekt, knapp die Hälfte wollte sich beteiligen (45,3 %) und ein weiteres Viertel (27,9 %) Ideen einbringen. Kein einziger Teilnehmer gab an, sich dem Thema zu verschließen oder zu entziehen. Demnach verwendet bereits heute jede zweite teilnehmende Praxis Mehrwegbecher oder Becher aus biologisch abbaubarem Material anstelle von Plastikbechern. Immerhin 10 % arbeiten bereits mit Kofferdamrahmen aus Metall oder ersetzen die herkömmlichen Labortüten durch kompostierbare Transportboxen.

VdZÄ fordert sinnvolle Alternativen

„Die Kolleginnen vor Ort sind schon jetzt erfinderisch. Deshalb ist es wichtig, dass wir keine weiteren Auflagen bzw. Restriktionen für die Praxis bekommen, sondern sinnvolle, einfache Alternativen und Empfehlungen, auch seitens des Gesetzgebers“, so Dr. Klas weiter. Auch bei der Industrie sehe man weiter Handlungsbedarf: Lediglich 7 % der Befragten gaben an, bereits ein Unternehmen zu kennen, das bei Verbrauchsmaterialien für die zahnärztliche Praxis weitgehend auf Plastik verzichtet. Zu wenig, findet auch der Vorstand des VdZÄ-Dentista. Anke Klas fährt fort: „Einer unserer nächsten Schritte muss deshalb sein, auf die Unternehmen zuzugehen und für Unterstützung zu werben.“ Möglicherweise ergeben sich auch Konstellationen, in denen die Zahnärztinnen vor Ort als Ideengeber agieren können. „Unsere Kolleginnen und Kollegen sind in jedem Fall dabei, das Projekt plastikarme Praxis mit viel Kreativität umzusetzen“, bilanziert die Verbandspräsidentin.