Dentista Wissenschaftspreis 2013

Der 1. Dentista Wissenschaftspreis ging an ZÄ Angela Boll, Hamburg (mitte) – überreicht wurden Trophäe und Preisgeld seitens Dr. Susanne Fath, Präsidentin des Dentista Clubs (links), und PD Dr. Ingrid Peroz, Vorsitzende des Dentista-Beirats Wissenschaft (rechts).


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Am 8. Juni 2013 hat der Dentista Club erstmals seinen Wissenschaftspreis verliehen: Preisträgerin des Jahres 2013 ist ZÄ Angela Boll, Hamburg, die für ihre hervorragende Masterthese zum Thema „Die implantologische Profession in der Genderperspektive: Chancen und Karrierewege“ ausgezeichnet wurde. Im Rahmen des Hirschfeld-Tiburtius-Symposiums in Berlin erhielt sie Trophäe und Preisgeld aus den Händen von Dentista-Club-Präsidentin Dr. Susanne Fath und der Vorsitzenden des Beirats Wissenschaft des Zahnärztinnen-Verbandes, PD Dr. Ingrid Peroz, die auch die Laudatio hielt. Der Zahnärztinnenverband will mit dem Wissenschaftspreis fundierte Studien zu Auswirkungen der wachsenden Anzahl an Zahnärztinnen auf die zahnmedizinische Versorgung beleuchten bzw. versorgungsrelevante wissenschaftliche Arbeiten zum Themenfeld der Gender Dentistry in den Blickpunkt heben.

Die in diesem Jahr ausgezeichnete Arbeit beschäftigte sich mit einem Thema, das in der Fachöffentlichkeit oft diskutiert, bisher aber nicht fundiert aufgearbeitet wurde, PD Dr. Peroz: „Die Zahl der weiblichen Studenten überwiegt seit Jahren. Dies zeigt sich auch in den Abolventenzahlen, die bereits im Jahr 2000 über 60% Frauen auswiesen, 2009 waren es bereits 65,5%. Die Zahl der Promovendinnen liegt bei 67,3%. Dies spiegelt sich aber überhaupt nicht in der Zahl der weiblichen Mitglieder implantologischer Fachgesellschaften wider.“ Dieser Situation widmete sich Angela Boll in ihrer Masterthese zum Abschluss ihres Masterstudienganges Implantologie der Steinbeis-Universität in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI unter Leitung von Prof. Dr. Günter Dhom. Peroz: „Interessant ist auch, dass das Thema zu dieser Masterarbeit von einem männlichen Kollegen vergeben wurde, Dr. Peter Gehrke aus Ludwigshafen.“ Dass er nicht dabei sein konnte, als seine Masterstudentin in Berlin ausgezeichnet wurde, bedauerte er zutiefst, da er von der Qualität der Studie schon gleich nach Durchsicht sehr begeistert war. Die Studie wurde mittels Fragebögen durchgeführt, die an 1200 inplantologisch tätige Zahnärztinnen und 500 implantologisch tätige Zahnärzte verschickt wurden.

Ausschnitte aus den Ergebnissen stellte PD Dr. Peroz in ihrer Laudatio vor: „7% der männlichen Kollegen und 16% der befragten Zahnärztinnen sind alleinstehend. 74% der Zahnärzte und 58% der Zahnärztinnen sind verheiratet. Interessant ist ein Blick auf die Partner: 40% der Männer und 89% der Frauen haben einen voll berufstätigen Partner. Ein Drittel der implantologisch tätigen Frauen hat keine Kinder. 69% der Männer und 50% der Frauen leben in einem 3+ Personen-Haushalt. Zur Praxisführung fand ich interessant, dass 24% der Männer, aber 35% der Frauen alleine tätig sind.“ Bemerkenswert seien, so Peroz, auch die Antworten zu grundsätzlichen technischen Aspekten: „Frauen scheinen weniger vertraut im Umgang mit technischem Gerät. So haben nur 33% der Frauen, aber 76% der Männer schon einmal eine Bohrmaschine bedient bzw. 68% der Männer haben Fahrräder repariert, aber nur 23% der Frauen.“ Die Studie zeigt aber auch, Zitat aus der Zusammenfassung: „.. dass die Unterrepräsentation von Frauen in der Implantologie nicht mit handwerklichem Unvermögen zu tun hat. Durchlaufen Frauen die implantologische Ausbildung bis zum Ende, so sind keine Unterschiede in der chirurgischen Kompetenz festzustellen.“

Neben den Daten wurden auch Hürden deutlich, die auf Gründe für die geringere Präsenz von Zahnärztinnen in der Implantologie hinweisen und damit auch Ansätze bieten, selbige mit passenden Gegenentwürfen zu überwinden. Dazu gehört, dass die implantologische Ausbildung sehr zeitintensiv ist, und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine kontinuierliche Fortbildung erschwert. Anders als bei Zahnärzten zeigt der Berufsweg der Zahnärztinnen (fast 90 % haben einen voll berufstätigen Partner) Diskontinuitäten. Aus der Zusammenfassung der Studie: „Zahnmedizinerinnen, die den Wunsch haben, eine Familie zu gründen und die postgraduierte Ausbildung bis hin zum Master zu absolvieren, sehen sich mit unterschiedlichen, widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen konfrontiert. () Für die komplexe, postgraduierte implantologische Ausbildung und die hohe Techniksensibilität und Trainingsintensität des Faches ist die zu erwartende Diskontinuität im Karriereweg der lsquo;Mutter’ nicht förderlich, da sich die implantologische Ausbildung häufig in einer Phase abspielt, in der die Kinder noch klein sind und einen hohen Betreuungsbedarf haben.“ Ausbildung in der Implantologie und die Ausübung des Verfahrens konkurrierten mit familiären Verpflichtungen, die häufiger die Aufgabe der Frauen als der überwiegend voll berufstätigen, erfolgreichen Ehemänner seien. Kinderlosigkeit oder sogar Verzicht auf einen Partner stellten Formen der Konfliktprophylaxe dar. Peroz: „Lösungsmöglichkeiten bestünden möglicherweise darin, bereits im Studium implantologische Lehrinhalte zu vermitteln.“ Dass dies, zumindest ansatzweise, möglich sei, zeige das entsprechende Konzept der Charité. Auch Mentorenprogramme, so die Masterthese, seien ein hilfreiches Angebot.

ZÄ Angela Boll hat bereits zuvor viel Zeit für intensive fachliche Fortbildung aufgewandt: „Nach dem Studium hat sie das Curriculum Endodontie belegt und nunmehr den Master of Science in Oral Implantologie der DGI erworben. Ob sie Implantologie belegte, weil sie sich vorher mit Endodontie befasste – oder obwohl sie das tat?“ Eine Antwort auf die eher rhetorische Frage von PD Dr. Peroz gab es seitens der sympathischen Preisträgerin nicht, dafür war die Freude über den Preis viel zu groß. Angela Boll nach der Preisverleihung: „Ich war schon etwas aufgeregt, eigentlich fühle ich mich im Hintergrund wohler… Aber ich bin ganz schön stolz, dass ich mit dem Wissenschaftspreis ausgezeichnet worden bin!“