VON A WIE AUFBEREITUNG BIS Z WIE ZUGANGSKAVITÄT: So war das Endo-Intensivseminar in München


Das Mantra „Üben, üben, üben!“ nahmen die Teilnehmerinnen begeistert auf. Bildquelle: Liestak

Klein, aber fein, mit genau der richtigen Mischung aus Wissenschaft und Praxis. So könnte man das von Dr. Roberta Liestak (Leiterin der Münchner Dentista Regionalgruppe) organisierte Endo-Intensivseminar beschreiben. Mit Dr. Andreas Braun und Dr. Amir Moinzadeh hatte sie zwei Referenten eingeladen, die neben bester wissenschaftlicher Expertise über umfangreiche Praxis- und Lehrerfahrungen verfügen. Denn sie sind nicht nur als Spezialisten für Endodontie in den Niederlanden in eigener Praxis tätig, sondern auch langjährige Dozenten im Studentenunterricht und dem Masterstudiengang Endodontie der renommierten ACTA Universität in Amsterdam.

 

Amir Moinzadeh: „Wurzelfüllung up to date“, Bildquelle: Liestak

Der Kurs sollte die Teilnehmerinnen nicht nur mit geballtem Wissen, sondern auch mit Hilfe zur praktischen Umsetzung im Alltag versorgen. Mit 11 OP-Mikroskopen und allen sonst nur denkbaren apparativen Hilfsmitteln ausgestattet ließ die Location des Seminars keine Wünsche offen. Den ersten Teil bestritt Andreas Braun, die Muttersprache nur in den ersten Minuten rostig nach Jahrzehnten mit Englisch, der Lingua franca der Wissenschaft. Rasch gab es die ersten Aha-Erlebnisse und starke Bilder zum Thema „Trepanation und Aufbereitung“. „Endo ist wie eine Kette,“ so Braun, „und nur so stark wie das schwächste Glied. Deshalb muss alles sorgfältig sein, schon von der Zugangskavität an.“ Beeindruckend war die Zahl der Fälle, die er zeigte, besonders wertvoll die Bilder von solchen, wenn es mal nicht optimal lief, seine Fehleranalyse und der konkrete Verbesserungsvorschlag, z.B. zur Vermeidung von Perforationen bei der Suche nach den Wurzelkanälen: “Nehmt einen normalen Bohrer, dessen Spitze nicht belegt ist: 8 mm ist safe!“. Sein Mantra „Üben, üben, üben!“ nahmen die Teilnehmerinnen begeistert auf; der praktische Teil am Nachmittag war damit perfekt beschrieben. Doch vorher erhielten alle von Amir Moinzadeh ein wichtiges Briefing: „Wurzelfüllung up to date“. Auch hier wurden universitäre Dogmen pragmatisch geerdet. So sahen die Teilnehmerinnen anhand zahlreicher Zahnschnitte, dass Wurzelfüllungen mit konfektioniertem Guttapercha-Stift nicht unbedingt schlechter abschneiden als die zeitaufwendige laterale Kondensation, zur großen Freude der immer unter Zeitdruck stehenden Praktikerinnen.

Dr. Andreas Braun im Gespräch mit den Teilnehmerinnen. Bildquelle: Gleissner

Zu den persönlichen Fortbildungs-Highlights der Verfasserin gehörten: Konkrete Tipps zur Platzierung eines MTA-Plug bei der Behandlung von jugendlichen Zähnen mit offenem Apex. Die Idee zur Simulation periapikalen Gewebes für diejenigen, die das im Kurs gelernte Procedere erst mal ausprobieren wollen: „Grüne Schwämme aus Blumenläden.“ Das Ping-Pong von Frage und Antwort zwischen den Teilnehmerinnen und den Referenten, selbstverständlich während der Vorträge und nicht danach, entspannt und konstruktiv, die Atmosphäre einzigartig. Der wichtigste Tip von beiden Referenten für die Aufklärung: „Sagen Sie Ihren Patienten, ‘Sie werden Schmerzen haben’, und dass es einige Tage dauern wird, bis der Körper das verarbeitet hat,“ so Braun. „Damit geben Sie Ihren Patienten Sicherheit, das senkt die postoperativen Beschwerden und erhöht den Erfolg.“

Zum Schluß gab es noch ein “Münchner Dankeschön” an die Referenten, überreicht von Initiatorin Dr. Liestak. Bildquelle: Gleissner

„Ich würde so gerne noch mit Euch weitermachen, jetzt gleich, und morgen, aber wir dürfen leider nicht“, so Dr. Braun am Ende des spannenden Tages. Da war das Kursende schon um eine Stunde überschritten, und noch immer nahmen Fragen und Fachdiskussionen kein Ende. Teilnehmerinnen und Referenten waren sich einig: Dieser Fortbildungstag war einzigartig – nur leider zu kurz. Dr. Liestak versprach, die konstruktiven persönlichen Rückmeldungen in die weitere Planung einfließen zu lassen, und die Wünsche nach einer Wiederholung an anderen Veranstaltungsorten und einer Folgeveranstaltung für alle zu berücksichtigen.